GRMNFLSM.GIF (970 bytes) UNoffizielle WEB-Seite: Verband deutscher Geigenbauer GRMNFLSM.GIF (970 bytes)

RIN:056
Violin Schule
von
Louis Spohr
Verleger - Tobias Haslinger, Wien, 1832  -   No. 6050

Der folgende Auszug ist wohl die älteste Bestätigung eines beruflichen Vergehens, welches sich leider Weltweit verbreitet hat und in den meisten Werkstätten, wo Geigen repariert und restauriert werden, begangen wird.

Dieses berufliche Vergehen der heimlichen Wertminderung heißt ,,Ausschachtelung," laut Taxe der Streichinstrumente bei Albert Fuchs, im Vorwort zur 1.Auflage.

Im Strad Magazine vom April 1993 wurde dieses berufliche Vergehen in einem Bericht von Helen Wallace bestätigt, mit der Behauptung:

"Es wird geschätzt, das 95% aller Schäden welche den Streichinstrumenten in den letzten 300 Jahren zugefügt wurden, durch Mitglieder des Geigenbauerstandes zustande kamen, und nicht durch Musiker."


Der nun folgende Teilauszug ist in der ersten Abteilung dieser Violinschule, im Vierten Abschnitt, unter dem Thema: Von der Verschiedenheit in der Güte und dem Werte der Violinen enthalten.

Laut Louis Spohr:  ,,Hat man sich diese erworben [Geigenkentnisse], so ist man auch gegen die Betrügereien, die beym Geigenhandel so häufig forkommen, geschützt. Man wird dann die, den alten Meistern nachgebildeten und mit deren Namen versehenen Instrumente nicht für ächte halten und sich als solche verkaufen lassen, auch wenn ihnen durch Kunst noch so täuschend das Ansehen von alten gegeben ist. Ferner wird man bey wirklich alten Instrumenten leicht erkennen, ob sie noch vollständig, oder bereits einzelnen Theilen erneut sind. Haupsächlich wird man aber sogleich am Ton einer alten Geige hören können, ob sie noch ALL ihr Holz besitzt. Es sind nämlich viele dieser alten Instrumente dadurch verdorben worden, dass man vor 40 - 50 Jahren, in der Meinung, ihnene einen vollern und weicheren Ton zu geben, im Innern von der Decke Holz abschabte. Solche ausgeschabte Geigen haben, besonders auf den tiefen Saiten einen holen Ton, der nicht in die Ferne trägt und sie werden um so stumpfer und tonloser, je stärker man sie angreift."
,,Ist daher eine Geige auch äusserlich gut conserviert und wirklich von einem jener berühmten Meister verfertigt, so verliert sie doch allen wirklichen Werth [Sammlerwert], wenn sie an dem oben bemerkten Mangel leidet. Zwar hat man in neueren Zeiten versucht, solchen verschabten Instrumenten durch das Ausfüttern mit Holz wieder aufzuhelfen, allein ohne Erfolg. Sie werden dann, zähe in der Ansprache und bekommen einen dumpfen, gedrückten Ton."

Zum Seitenanfang